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Das italienische Strafrecht ist grundsätzlich geregelt im Strafgesetzbuch (StGB) von 1930. Neben den darin definierten Straftatbeständen werden noch zahlreiche andere Vergehen und Delikte durch besondere Gesetze geahndet, z.B. in der Straßenverkehrsordnung.
Diese Aufspaltung entspricht zwar nicht der modernen Philosophie der Vereinheitlichung der Gesetzestexte, ist aber eine Folge der Vielfältigkeit und Komplexität des modernen Alltages.
Nicht zuletzt kommt auch eine gewisse Hilflosigkeit der heutigen Gesetzgebung zum Ausdruck,
die sich schwer tut, mit den Mitteln der parlamentarischen Dialektik das Recht den Erfordernissen einer sich rasant entwickelnden Gesellschaft anzupassen.

Strafrecht und Strafverfolgung sind Ausdruck der staatlichen Gewalt. Dem Strafrecht ist die Verfassung aus dem Jahre 1948 übergeordnet, die die Grundrechte und Grundfreiheiten aufzählt.
Die allgemeinen Rechtsgrundsätze des Strafrechts müssen somit im Zusammenhang mit den verfassungsrechtlichen Bestimmungen gelesen werden.

Das Recht auf Verteidigung ist in jeder Phase und Instanz des Verfahrens von der Verfassung garantiert. Im Jahre 1999 wurde zudem der Grundsatz des sogen.
"gerechten Prozesses“ („giusto processo“) bzw. der „Schutz des Streitgespräches“ verfassungsrechtlich verankert (Art. 111 der Verfassung).


Strafprozess

Die italienische Strafprozessordnung (StPO) stammt hingegen aus dem Jahre 1988 und übernimmt die Grundsätze der angelsächsischen Prozesskultur: Gleichgewicht zwischen Anklage und Verteidigung, Offenlegung des von der Anklage gesammelten Beweismaterials, Kreuzverhör durch Anklage und Verteidigung. Die StPO bietet den Prozessparteien die Möglichkeit, das Strafverfahren unter bestimmten Voraussetzungen zu verkürzen. Dies bedeutet Kürzung der Verfahrensdauer - somit Kostenersparnisse für die Justiz - und Strafminderung für den Angeklagten.

Bis zur endgültigen Rechtskraft des Urteils können drei Instanzen befasst werden (Eingangsgericht, Berufungsgericht, Kassationsgericht); und unter bestimmten Voraussetzungen kann auch die Wiederaufnahme eines abgeschlossenen Verfahrens beantragt werden (zur Reparatur von
Justiz-Irrtümern).

Die Gerichtsbarkeit wird im 1. Grad vom Friedensgericht (ehrenamtlicher Richter), vom Landesgericht (entweder als Einzelrichter, als dreiköpfiger Senat oder als Schwurgericht, bestehend aus zwei Berufsrichtern und sechs Volksvertretern) ausgeübt.
 
 
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